Euripos im Strudel

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Der Euripos ist die schmalste Stelle der euböischen Meerenge zwischen Chalkida und dem Festland. Die enge Durchfahrt ist nur gerade 40 Meter breit, wird aber seit mehr als 2000 Jahren von einer Brücke überspannt. Durchaus rätselhaft sind die ungewöhnlichen, sehr schnellen Strömungen, die hier herrschen. Gewöhnlich wechseln die Gezeiten ihre Richtungen vier Mal innerhalb von 24 Stunden. An vier bis sechs Tagen bei zunehmendem Mond soll der Wechsel allerdings ganz unregelmässig verlaufen; er kann vollständig ausbleiben oder 14 (andere sagen 16) Mal die Richtung wechseln.
Bereits in der Antike versuchten Aristoteles und Eratosthenes das Phänomen zu enträtseln. Aristoteles soll sich nach einer Anekdote aus Verzweiflung, dass er den Schleier nicht lüften konnte, sogar im Euripos ertränkt haben. Die im Mittelmeerraum einzigartige Erscheinung ist offenbar bis heute nicht wirklich geklärt.
Dem Beobachter bietet sich ein eindrückliches Schauspiel, wenn er auf der Promenade vor den Kafenions steht und die Fluten in einem bestimmten Moment erlebt. Sie erscheinen wie ein reissender Fluss, der sich nicht entscheiden kann, ob er aufwärts- oder abwärts fliessen will. Oder wie ein See, der vom Grund her aufgekocht wird. Sehr eigentümlich anzusehen – und auch etwas beunruhigend!

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